CLASSICS

Was ist besser als
selten? Seltener!

Blaue Mauritius trifft British Guianan 1 c magenta. Sie können mit dieser Beschreibung nichts anfangen? Kein Problem, in unserer Geschichte geht es nicht um rare Briefmarken. Dafür um seltene Lancia Delta. Ein paar in Blau und nur einer in Violett …

Während Philatelisten ihre seltenen Sammelobjekte in ein Briefmarkenalbum ein- und verstecken, scheuchen Autosammler als echte Enthusiasten ihre Raritäten regelmäßig raus ans Sonnenlicht und gönnen ihnen Asphalt unter den Rädern.

Über den Lancia Delta HF integrale muss man eigentlich nicht mehr viel sagen. Dass diese italienische, von Giorgio Giugaro gezeichnete Kompaktlimousine zwischen 1987 und 1992 sechsmal nacheinander die Rallye-Weltmeisterschaft gewann und damit die italienische Marke uneinholbar auf Platz eins der Rallye-Marken-Bestenliste schob, dürfte jedem Automobilisten mehr oder weniger klar sein. Sollte es sein. Die insgesamt 44.296 gebauten Exemplare unterscheiden sich in vier Entwicklungsstufen.

Der blaue Wagen ist einer von 15, der violette ein Einzelstück.

Die Erfolgsgeschichte startete ausgerechnet in einem der dunkelsten Jahre der Rallyegeschichte: 1986. Nachdem in diesem Jahr viele schwere Unfälle mit teilweise tödlichem Ausgang passierten, zog die FIA die Notbremse und beendete die Rennen mit den über 500 PS starken Gruppe-B-Boliden. Als klar war, dass im folgenden Jahr Fahrzeuge nach Gruppe-A-Reglement startberechtigt sein würden, reagierte Lancia als erster Hersteller und legte ein seriennahes Homologationsmodell auf Basis des braven Lancia Delta auf.

Beim Debüt in Monaco verhielt sich der Delta HF 4WD ganz so, wie man es von ihm erwartete: Miki Biasion gewann auf Anhieb die Rallye Monte Carlo 1987, so wie vorher Henri Toivonen mit dem Delta S4 bei der RAC Rally 1985 den Sieg erkämpft hatte. Und diese Tradition bewahrten auch die weiteren Entwicklungsstufen des Delta. Abermals Miki Biasion gewinnt beim Debüt des Delta HF integrale 1988 in Portugal und fährt 1989 bei der Rally San Remo mit dem Delta HF integrale 16V ebenfalls vorne mit. Der Siegeslauf gipfelt bei der Rallye Monte Carlo 1992, als Didier Auriol den mittlerweile nochmals breiteren und mit einem verstellbaren Heckspoiler ausgerüsteten Delta HF bei seiner Jungfernfahrt in der Rallye-Weltmeisterschaft ganz oben auf das Siegertreppchen stellt.

Es war nur zu verständlich, dass diese Jahre für die konkurrierenden, aber erfolglosen Mitbewerber überaus langweilig waren. Deutlich interessanter wurde es mit der Zeit jedoch für die Lancisti, wie sich die Anhänger der Turiner Traditionsmarke selbst nennen. Beflügelt durch den fünften Markentitel in Folge legten die Turiner zu Beginn des Jahres 1992 das erste limitierte Sondermodell mit der Bezeichnung “Lancia Delta HF Martini 5” auf.

Insgesamt gab es zwölf Sonderserien, deren Stückzahlen zwischen 8 und 400 Exemplaren variierten. Mit der “Edizione Finale” wurde dann bezeich- nenderweise das Produktionsende dieser Legende eingeläutet. Für eine detaillierte Vorstellung aller Sondermodelle reicht der Platz an dieser Stelle nicht aus. Doch gibt es dafür bereits gute Literatur, die wirklich alles zum Lancia Delta umfassend beschreibt.

Der Besitzer der Delta auf diesen Seiten ist in jedem Fall ein großer Kenner der Materie, denn beide Exemplare gehören unbestritten zu den seltensten Versionen überhaupt. Während der Delta HF integrale “Club Italia” als Sondermodell in einer Auflage von nur 15 Exemplaren für die Mitglieder des legendären “Club Italia” aufgelegt wurde, handelt es sich beim “Viola” um ein Einzelstück und damit einen der rarsten Delta überhaupt.

Doch der Reihe nach: Als Lancia 1991 beschloss, mit dem Delta HF integrale EVO 1 eine weitere Evolutionsstufe aufzulegen, entstand unter der Initiative von Gino Macaluso die Sonderserie für Mitglieder des exklusiven “Club Italia”. Die Fahrzeuge waren durchgehend von 01 bis 15 nummeriert, wobei man sicherheitshalber die Nummer 13 nicht vergab und lieber ein 16. Exemplar drauflegte. Ein bisschen Aberglaube hat noch niemandem geschadet.

Dem Geist des “Club Italia” folgend, wollte man mit diesem Sondermodell die ganze Klasse und das Understatement torinesischer Automobilbaukunst demonstrieren. Aus diesem Grund präsentiert sich das Sondermodell “Club Italia” in der edlen Außenfarbe “Blu Lord”, dem klassischen Lancia-Blau. Die so charakteristisch für dieses Modell scheinenden Aufkleber und Schriftzüge waren bei der Übergabe der Boliden nicht an den Fahrzeugen angebracht. Sie lagen im Kofferraum und jeder der neuen Eigentümer konnte selbst entscheiden, ob er sie am Fahrzeug aufkleben wollte.

Text: Werner Blättel // Fotos: Oliver Sold

Lesen Sie die ganze Geschichte in OCTANE #63

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