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Out of the box –
die Fotografie von René Staud

Es gibt kaum ein Porsche-Modell, das René Staud nicht fotografiert hat. Die Staud Studios in Leonberg sind der Laufsteg der Autoindustrie. Und während im Zuge der Digitalisierung viele Fotostudios verschwunden sind, boomt René Stauds Firma weiter.

Richtiggehend unvorstellbar war es, und doch ist es nun passiert: René Staud lebt nicht mehr 24/7 fürs Business, sondern hat die Hoheit über seine legendären und sehr erfolgreichen Staud Studios an die Söhne Pascal und Patrick übergeben. Ruhestand also? Freiheit vielmehr! Denn Staud ist niemals Rentner, er ist Privatier.

Wir treffen den Mann dort, wo er nur noch selten ist, in Leonberg, in diesem riesigen Schuhkarton seines Fotostudios. Living in the Box, das war sein Arbeitsleben. Staud trägt Schwarz, wie jeden Tag wahrscheinlich, zumindest aber wie an jedem Tag, an dem er öffentlich ist. René Staud hat nicht nur die Art seiner Fotografie zu einer Marke gemacht, er ist selbst die Marke. Von seinem Stil her, von seinem Äußeren aber auch. Schwarz die Hose, schwarz das Jackett, darunter gern ein schlichtes weißes Hemd.

René Staud, 2022, Porsche AG
Erinnerungen: Im Studio finden sich einige wenige der unzähligen Memorabilia des bewegten Lebens des berühmten Fotografen.

Farbe bringen die Objekte in seinen Alltag. Heute bildet ein Porsche 935 von 1978 die Kulisse für den Maestro. Indirekt, aber optimal beleuchtet durch eine Erfindung von Staud. Der Magic Flash ersetzt den Himmel. Riesengroß hängt die sanft leuchtende Lichtwanne von der Größe eines Sattelzugs über dem orangefarbenen Racer. Der Wagen: Klassensieger in Le Mans. Der Fotograf: Meister aller Klassen.

Einer der prägendsten Fotografen in seiner Zeit

René Staud ist ganz sicher einer der prägendsten Fotografen in seiner Zeit gewesen und ist es bis heute. Mercedes-Benz stellte ihm das erste Auto ins Studio. 1983 ruft Porsche an. Der Auftrag: Für den neuen Über-Porsche 959 sollte Staud die Kampagne zur Markteinführung fotografieren. Er inszenierte den Wagen als epochalen Porsche-Moment. Die Werbung mit seinen Bildern erhielt 1987 den Award Best Campaign of the Year. „Für mich ist das bis heute das wichtigste Projekt aller Zeiten“, sagt Staud und blickt zum 935, legt die Hand auf das Dach über der Tür und bleibt still stehen für einen überraschend langen Augenblick.

1972 stand René Staud das erste Mal bei einem Autoshooting hinter der Kamera. Auf Fuerteventura ließ er einen Buggy über die Dünen fliegen, eigentlich ein Lifestyle-Shooting für eine Investmentfirma, die Urlaubsdomizile auf der kanarischen Insel in Deutschland verkaufen wollte. Dafür musste Lust auf Fuerteventura gemacht werden. Fliegende Dune Buggys waren da schon ziemlich optimal, weil ziemlich hip. Ebenso wie Windsurfen, das in Europa unbekannt war. Erst 1977, durch die Zeitschrift „Surf“, lernte die Nation das sogenannte Stehbrettsegeln besser kennen und auch lieben.

Ein Defilee der automobilen Jugendträume

Er wächst auf in der Stuttgarter City. In direkter Nähe zum beschaulichen Rotlichtviertel der Schwabenmetropole faszinieren den kleinen René Staud am Abend die dicken Autos und Sportwagen, die langsam durch die engen Gassen rollen und vor den Bars und Clubs parken. Da sieht der Sohn eines recht armen Holzbildhauers echte Ferrari, zuweilen Maserati, Iso Rivolta, Mercedes SL und natürlich auch den einen oder anderen 356er von Porsche. Ein Defilee der automobilen Jugendträume.

Frühe Liebe: Zwei Dinge, die sein Leben prägen sollten – ein Auto als Fotografie. Der junge René Staud im Alter von drei Jahren.

Vor der Kamera hatte er später alle. Und er lernte die Sammlungen der ganz Reichen und Berühmten kennen, weil er ihre Preziosen unter dem Magic Flash ins rechte Licht rückte und bis heute rückt. Ein eigenes, kleineres Sortiment hat sich über die Jahrzehnte auch beim 1951 geborenen Schwaben angesammelt. Unter dem riesigen Studio, das auch schon Platz für einen riesigen Lastwagen geboten hat, bewahrt Staud seine privaten Lustobjekte auf. Rund 40 Porsche hat René Staud schon besessen, davon 25 mit der Typenbezeichnung 911. Er ist sie immer auch im Alltagsbetrieb gefahren. Sein 959 hatte am Ende 60.000 Kilometer auf dem Tacho, als der Fotograf entschied, dass der technische Superstar aus Zuffenhausen dann doch zu schade sei, um ihn im Stop-and-Go zwischen Studio und Zuhause aufzufahren.

Staud selbst ist ein leidenschaftlicher Racer

Spaß gemacht hat er ihm aber schon sehr, schließlich ist Staud selbst ein leidenschaftlicher Racer. Zwischen 1996 und 1998 war er mit seinem cool gestylten weißen F-Modell mit rotem Längsstreifen übers Dach und über Front- und Motorhaube selbst ein ziemlich dekoratives Fotoobjekt.

Fotocredit: René Staud Studios René Staud inszeniert Objekte zu Ikonen. Der Maestro erschafft um sie eine emotionale Aura mit Ewigkeits-Charakter.

Eine klassische Staud-Arbeit. Der Wagen ist ikonografisch inszeniert, zum Kultobjekt erhoben – doch für René Staud ist der Wagen mehr nur als ein Fotoobjekt, er ist sein Lieblings-Elfer.

Gut 16 Wagen, vielleicht auch eine Handvoll mehr, parken unter Stauds Arbeitsplatz in Leonberg. Bevor man dort ankommt, geht es vorbei an beleuchteten Vitrinen mit Auszeichnungen für seine Kunst, alten Kameras, darunter auch seine erste eigene Kamera, eine Edixa Mat Ref lex. Edle Modellautos, riesige Stoppuhren – Devotionalien eines erfolgreichen und eines sehr erfüllten Lebens. Zu vielen gibt es kleine Geschichten, manches ist einfach nur schön oder amüsant.

René Stauds Garage

Niemals ist dieser Mann protzig, immer hat er ein Lächeln auf den Lippen, das seinem Gast schmeichelt und das ihn auf jedem Bild sympathisch aussehen lässt und ziemlich gut. Aber wenn er nicht weiß wie, wer dann? René Staud nimmt uns mit in seine Garage.

Insgesamt elf Porsche-Modelle besitzt der Man in Black. Sechs historische, fünf neue. Sein erster ist nicht mehr darunter. Das war ein 914/4. Schwarz (natürlich) mit gelben Felgen. Das Auto hat er der Presseabteilung abgekauft, es stand wie Blei auf dem Hof vor dem roten Backsteinbau in Werk 1. Im Hippie-Jahrzehnt der 70er-Jahre waren schwarze Autos out und folglich ein Schnäppchen.

René Stauds Lieblings-Porsche

„Porsche hatte für mich schon immer eine ganz starke Bedeutung“, sagt der Grandseigneur der Autofotografie, und natürlich auch: „Ich habe mir schon immer einen gewünscht, seit ich ein kleiner Junge bin.“ Oft gehört, doch ihm glaubt man es, wenn man die leuchtenden Augen sieht und die Hand, die am Griff des roten Targa zieht. Es ist ein 2.7 von 1974. René Stauds Lieblings-Porsche. Routiniert dreht er den Wagen im Bogen aus der Tiefgarage und schickt den roten Targa Richtung Weissach. Der Weg dorthin hat einige elegante und einige recht scharfe Kurven – ideales Terrain für den 911 und seinen Piloten am Steuer.

René Staud, 911 2.7 Targa, 2022, Porsche AG
Aus Freude am Fahren: Vielleicht René Stauds bemerkenswerteste Eigenschaft ist es, in jedem Moment ganz bei sich zu sein, den Augenblick zu leben und zu genießen – anders lässt es sich kaum erklären, wie die Freude am Targa-Fahren überspringt.

„Er passt da irgendwie perfekt rein“, denkt man, wenn man die Bilder von René sieht – da stimmt alles, die Freude im Gesicht, die Dynamik auf dem Asphalt. Der Privatier und der Porsche, zwei, die es geschafft haben. Zwei out of the Box.

Porsche 911 2.7 Targa

Baujahr: 1974
Motor: Sechszylinder-Boxer
Hubraum: 2.653 cm3
Beschleunigung 0-100 km/h: 6,3 s
Maximale Leistung: 210 PS (154 kW)
Leergewicht: 1.075 kg
Höchstgeschwindigkeit: 245km/h

Info

Text erstmalig erschienen im Magazin Porsche Klassik 24.

Autor: Edwin Baaske

Fotografie: Felix Aliberti

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Astrid Böttinger

Astrid Böttinger

Pressesprecherin Heritage und Porsche Museum
Teamkoordination Kommunikation

Wir danken unserem Kompetenzpartner Porsche für den bereitgestellten Content.

Mehr Informationen unter: www.porsche.de